Partitur des Erinnerns
In ihren dichterischen Texten spiegelt sich Anne Dorns Generalthema der Trennungen, Verluste und des Sich-Wiederfindens, Bewahrens, das ohne den zeitgeschichtlichen Hintergrund eigener Lebenserfahrungen kaum denkbar ist, in sublimerer Weise als in ihrer Prosa wider. Eine Thematik, die auch vom frühen Wechsel von Ost- nach Westdeutschland zu Kriegsende geprägt ist, von der wiederholten und regelmäßigen Rückkehr in eine vertraute Fremde, die die Kindheitsorte bei und in Dresden in ihren Augen später darstellen mochten, in der Zeit der Teilung. In den Gedichten schwingen die Erfahrungshintergründe, die den Stoff der Prosaarbeiten bilden, leise mit, teilen sich mit, vielfach gebrochen, als schaute man durch ein Prisma auf diese Landschaften, die Landschaften der Kindheit wie die ihrer Reisen und jener Orte, die sie sich neu ge- und erfunden hat.
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Anne Dorn wurde 1925 in Wachau bei Dresden geboren und lebt heute als Schriftstellerin in Köln. Bislang war ihre Lyrik nur verstreut in Zeitschriften und Anthologien, etwa im Jahrbuch der Lyrik, zu finden. |
Inschrift
Immer zu klein gewesen.
Immer die Spiegel zu hoch.
Sah nie mein Gesicht.
Bestenfalls meine Mütze.
Freilich, darunter das bunte
Gewimmel meiner Gedanken
hielt mich in Atem.
Korrespondenzen mit
Steinen, Sternen und Staub
vom Feinsten. Was alles
heute noch Glück bedeutet,
für mich. Ich nehme es mit.
Wohin? Fragt leiser.
Nicht Idee ist es,
es ist Gefühl.
Stimmen
Es sind feingewebte epische Gedichte, Sammelstücke eines ganzen Lebens, die Geschichten erzählen von „südlichen Februartagen“, „Sterbenswollust“ und dem „Weg ins Dorf“. Außergewöhnliche, eindrucksvolle Lyrik, die durch eine klare, einfache Sprache besticht ...
WDR | Matthias Ehlers
Sechsundachtzig Jahre alt hat Anne Dorn werden müssen, um ihren ersten Gedichtband zu veröffentlichen – und damit das vielleicht dienstälteste Debut der deutschen Lyrik vorzulegen. ... Der Band [ist] von ungewöhnlicher Geschlossenheit, die ihn zu einem Ereignis macht.
Fixpoetry | Jürgen Brôcan