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Um uns arm zu machen
 Sandra Trojan | Um uns arm zu machen   Sandra Trojan
Um uns arm zu machen
Gedichte
poetenladen, Leipzig 2009
80 Seiten, 13,80 Euro
Gebundene Ausgabe

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Eine sinnliche Rede

Mit dem Gedichtband Um uns arm zu machen legt Sandra Trojan ihr Debüt vor. In Lyrikkreisen ist sie längst keine Unbekannte mehr. So wurde Bergfreiheit III in der ZEIT als Gedicht der Woche präsentiert. Im Lyrikkalender des Deutschlandfunks ist sie mit dem Gedicht Hausszene vertreten und im Südwestfunk stellt Michael Braun sie zusammen mit jungen Dichterinnen wie Ulrike A. Sandig, Ann Cotten und Nora Bossong vor.

Über ihre Dichtung heißt es dort, ihr Grundkonzept realisiere sich in Gedichten, die mit stark traumgeleiteten Bildsequenzen arbeiten und aus der enig­matischen Kombinatorik dieser Bilder eine sehr sinnliche Sprache gewinnen – „fast möchte man mit Johann Gottfried Herder sagen: eine »vollkommen sinnliche Rede«. Eine sinnliche Rede auch, die wie selbst­verständlich »Unschärfen« mit einschließt.“

Wenn ich in Bienen spreche

meine ich Unschärfe, Murmeln
Nektar am Mund. Und wenn ich in
Birnen spreche, in Äpfeln, in Zellen
in Kisten, von Zungen zerfressen
in Zungen, in Menschen, meine ich
Menschen:Schwärme gestempelt
innen & außen, ein Bienentanz
und damit meine ich: Bienentanz.

 
Sandra Trojans Gedichte zeigen ihre Bilder unvermittelt, metaphorisch aufgeladen, sprachlich klar und doch bisweilen undurchlässig wie Glas. ... Man spürt, dass sie Eliot und Yeats gelesen hat, auch Dante. Das gibt ihrem Deutsch einen fast fremdsprachlichen Reiz.
Norbert Hummelt

Um uns arm zu machen

Keine Locken habe ich gehabt
um uns ein Gewand zu weben
einzig Fäden & auch das Netz
aus frischen Sehnen zwischen
unsern Wirbelsäulen zum
Trocknen aufgehängt hielt kaum
länger als die Bronzeketten
& das Surren unter meinen
Rippen hat nur für kurze Zeit
den Honig dir versüßt & bloß
der Fuchsschwanzdocht in
meiner Metahöhle leitet noch
das Licht, wenigstens zu einem
meiner Augen & trotzdem –
Bis gegen Mitternacht lass ich
dich schlafen, nehm erst dann
die beiden Flügeltüren
samt der Pfosten und reiß sie
mit dem Querbalken heraus.
Kannst in Delilah dich verlieben
derweil ich unser beider
Richter bin für zwanzig Jahr.

 
„Um uns arm zu machen“ ist ein Debüt, das mehr als nur ein Versprechen auf spätere Bücher ist: Diese Gedichte haben einen starken, versierten Ton, sind im richtigen Moment von grotesker Komik und bestechender, poetischer Kraft – kurz, sie stehen so felsenfest in der lyrischen Landschaft wie die Sauerländer Berge ...
MDR FIGARO
 
Der erste Gedichtband einer jungen Lyrikerin. Ich schlage in der Mitte auf und, oh, das saß, zweite dritte vierte Probe... umwerfend! Sandra Trojan ist mir nicht völlig neu, ich hab sie schon gehört und gelegentlich gelesen, ich erkenne ein, zwei Gedichte wieder: da muß Wiedererkennbares sein, für das ich noch keinen Namen habe. Sandra Trojan kann – im ersten Band! – sogar Anagramme schreiben, die wie Gedichte von Sandra Trojan klingen. ...
lyrikzeitung | Michael Gratz (58 / 12. März 2009)
 
Gleich vom ersten Gedicht „Wenn ich in Bienen spreche“ werde ich hellwach gesummt. Jedwedes dräuende Hirngespinst hat sich im Nu in Nichts aufgelöst. Ich schwebe durch den Funkenflug der Wörter und Verse und bin ebenso beglückt und begeistert, wie es Michael Gratz, Herausgeber der Lyrikzeitung, nach der Lektüre dieses die Leser reich machenden Lyrikbands ... beschreibt.
Berliner Literaturkritik | Theo Breuer
 
Sandra Trojans stille Gedichte berühren beim Lesen unmittelbar, obwohl sie ihr Geheimnis bewahren.

Sie gilt als Entdeckung der jungen Lyrikszene und hat ihre Arbeiten in Zeitschriften veröffentlichen können. Aber einen Verlag für Gedichtbände zu finden, gilt als schwierig. Sandra Trojan hatte Glück.
   Einführung & Gedichtproben, gelesen von Sandra Trojan
   Sendemanuskript

WDR 3 Mosaik | Martin Becker
 
Lyrikkalender im Deutschlandfunk: Wenn ich in Bienen spreche

In einem fast surrealen und zugleich vollkommen der Phänomenalität der Dinge zugewandten Text beschwört Sandra Trojan das sinnliche Sprechen der Poesie. Es ist eine sinnliche Rede, die wie selbstverständlich „Unschärfen“ und Mehr­deutig­keiten mit einschließt. „Wenn ich in Bienen spreche“ – das meint ein „polylinguales“ Sprechen in vielen Zungen, ein poetisches Sprechen, das stets dem Bild verpflichtet bleibt und sich nicht an den besserwisserischen Begriff verrät.
Deutschlandfunk am 19.11.2009  |  Beitrag
 
Kaum zu glauben, daß dieser Band ein Debüt ist. Sandra Trojans Gedichte haben eine solche eindeutige und reife Präsenz, wie man sie ohnehin selten und fast nie in einem Erstling findet ...

Sie kann es einfach. Sie hat es drauf. Sie schreibt Lyrik, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, weil sie so neu und frisch auftischt, ungewöhnliche Interiors geheimnisvoll zur Genussreife treibt. In den Gedichten fällt eine ganz wache und dennoch sinnlich pulsierende Kompetenz überraschende Edukte aus. Spannend ist das. Hier geschieht so viel. Und die Feinheit der Strukturen ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch schön
Fixpoetry | Frank Milautzcki
 
Ich bin immer ein wenig misstrauisch, wenn ein Buch dermaßen über den grünen Klee gelobt wird, wie es bisher bei Um uns arm zu machen der Fall war. Doch in der Tat: Um uns arm zu machen ist ein wertvoller, vielschichtiger Gedichtband geworden.

In erster Linie liegt es jedoch offensichtlich am Zusammentreffen von zwei Faktoren bzw. Parteien – einer talentierten, wortfühlenden Autorin sowie eines Verlags, der einer jungen Lyrikerin für ihr Debüt eine erstklassige Aufmachung kredenzte und im Gegenzug nur wenige Grenzen setzte, so dass Sandra Trojans Gedichte das widerspiegeln können und dürfen, was ich mir von einer jungen, noch nicht im akademischen Gefüge verschlungenen Lyrikerin erhoffe:
Titel-Magazin | Stefan Heuer
 
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