Von der Neuerfindung der Sprache
Jean Kriers Gedichtband
Herzens Lust Spiele zeigt den Dichter als ernsthaften Sprachspieler und virtuosen Arrangeur: Er strebt die Fusion zweier Unendlichkeiten an - die Fusion von Sprache und Ozean. Seine Gedichte, so schrieb Michael Braun, wirken in ihrer rhythmischen Bewegung und ihrer vokabulären Textur ebenso fluid wie die Wellen des Meeres.
»Jean Krier erfindet die Sprache der Lyrik neu - aus verbalem Strandgut, aus Worthülsen, Sprachmüll, aber auch aus klassischen Reminiszenzen, Anspielungen, Alltagspoesie. Seine streckenweise virtuos arrangierten Gedichte sind Sprachkritik und Fest der Sprache zugleich, lauschen dem, was dem sensiblen Ohr des Autors vorgesetzt und zugetragen wird, die poetischen Möglichkeiten ab.«
Frankfurter Rundschau
De Aeternitate
Schreib. Schreib jetzt, schreib. Schreib was. Nein,
schreib nicht. Pass auf, wach u horch. Die Nacht.
Wie sie schweigt hier draußen. Der Lärm aber nie
sonst verrauscht. Und das Meer. Wie es badet in
Blut u Öl. Schau hin, schau her u des Himmels Blau.
Der Augen Blau. Wie es spricht. So, schreib das
jetzt. Spieß es auf in kostbar geschenkten Minuten.
Geh in dich, töte den Hund, schlag ihn tot, blauäugig
sei u schreib, du armer Mensch, du blödes Vieh.
Da brauchst du nicht zaubern zu können. Und dann
schlaf, schlaf endlich u in Ewigkeit, du armes Schwein.
Im Herzschlagschatten schreibend schlaf. Wie köstlich,
ach, an keinem Ort mehr zu sein. Die auf der Galerie,
die lachen sich krumm.
Stimmen zu Herzens Lust Spiele
Jean Krier wird mit dem Chamisso-Preis 2011 für die freirhythmischen Elegien seines jüngsten Bandes „Herzens Lust Spiele“ (poetenladen 2010) geehrt. Seine deutschsprachigen Wortteppiche, die er subtil mit französischen Einsprengseln spickt, speisen sich aus Erfahrungsmomenten und Lektüreerlebnissen. Die scheinbar prosanahen Texte nehmen die europäische Tradition der literarischen Moderne des 20. Jahrhunderts auf und erweitern deren thematisches und sprachliches Spektrum.
Chamissopreis-Jury | 2011
Der Luxemburger Jean Krier bewegt sich seit langem zwischen den Kulturen. Seine Gedichte schreibt er auf Deutsch, durchsetzt sie aber gern mit französischen Einsprengseln. Auch liebt er die Mischung von Stilen und Redeweisen, von Surrealem und Alläglichem, von Pathos und Ironie. ... Das Französische bringt den Dichter auf den Teppich zurück. Ironie macht das Pathoas genießbar.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, H.H., Juli 2010
Der Luxemburger Jean Krier ist der erste „reine“ Lyriker seit zehn Jahren, der den Chamisso-Preis erhält, vor allem für seinen jüngsten Gedichtband „Herzens Lust Spiele“ (2010) – Gedichte, die die deutsche Sprache bereichert haben, so die Jury.
Frankfurter Rundschau, März 2011
Das Alte Testament klingt an und die Apokalypse des Johannes, Dichter des Barock, Hölderlin, Gottfried Benn, Georg Büchner oder Ashbery, William Carlos Williams, Beckett, Proust. Und sosehr diese Gedichte vom Bewusstsein der Vergänglichkeit, dem Ausgesetztsein handeln, vermeiden sie doch souverän (auch trotzig, auch heiter) jedes Pathos durch Lakonie oder eine kleine ironische Geste.
Neue Zürcher Zeitung, A. Overath, September 2010
Wer frische Luft atmen will, braucht Jean Kriers neues Buch „Herzens Lust Spiele“. So etwas hat man hierzulande noch nicht gelesen. Besser gesagt: So etwas liest man hierzulande nicht. Kein Wunder – der deutschsprachige Dichter lebt in Luxemburg.
Kriers Dichtung ist außergewöhnlich, originell und eigenwillig und nimmt zu keinem Zeitpunkt irgendein Blatt vor den Mund.
Kriers Gedichte zeigen schonungslos auf, was geht und vergeht. Sie sind dabei selten larmoyant und nie melancholisch; immer kontert stattdessen eine heitere, gewitzte Selbstironie.
Berliner Literaturkritik, Achim Steigenberger
Le sublume et le grotesque
Bei der Lektüre von Jean Kriers Gedichten in dem soeben erschienenen Band
Herzens Lust Spiele besticht sogleich das leichtfüßig-lustvolle Spiel mit der Sprache auf mehreren Ebenen, insbesondere der syntaktischen und lexikalischen.
Kriers freie Verse evozieren assoziativ, fügen in expressionistischer Manier Sprachfetzen in einem ungewohnten Umfeld zusammen zu einer melodischen Klangmagie, deren mysteriöser Charme den Leser unversehens in ihren Bann schlägt.
La Voix, Luxemburger Wort, 17.03.2010
Herzens Lust Spiele aus dem Leipziger Verlag poetenladen ist ein authentisches Buch, ein kritisches, ein vielschichtiges Werk, unbarmherzig, ehrlich, ohne Zweifel ein weiteres Meisterwerk, und sicherlich nicht das letzte aus der Feder von Jean Krier.
Radio 100,7, Lèon Rinaldetti, April 2010
Die Gedichte von Jean Krier sperren sich aller oberflächlichen Behandlung. Sie sind rauh, sie sind widerständig, sie sind völlig kompromisslos. Dabei souverän und alles andere als gleichgültig. Sie sind, was man von Gedichten eigentlich immer hoffen sollte: sehr dicht.
So ergibt sich ... ein reiner, glasklarer und harter Stil, der jedes Wort an seinem Platz und unentbehrlich weiß.
d ' Lëtzebuerger Land | Elise Schmit, 05.03.2010
Sprachspiel und Kritik
Eine ganz besondere Mischung von poetisch-sublimen, komisch-grotesken, skurril-bizarren ... verleiht Jean Kriers Lyrik ein ganz besonderes Gepräge, wozu kreative Neologismen, Fremdwörter und wohlklingende Fachtermini aus interschiedlichen Bereichen beitragen
Luxemburger Wort, Jeff Baden, April 2010