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»Der Dreiklang aus Landschaft, Geschichte und Dingwelt, den Jürgen Nendza in seinen Gedichten anschlägt, gehört zu den großen Errungenschaften gegenwärtiger Lyrik.«
Jury-Begründung zur Verleihung des Wilhelm-Lehmann-Literaturpreises
»Jürgen Nendzas Gedichte vollführen im Wesentlichen zwei Bewegungen: Zum einen den geschichtsarchäologischen Weg nach unten, in die Tiefenschichten der Erde. Zum anderen aber ein Emporfliegen ins Offene, hin zu den Zeichen des Glücks.«
Der Tagesspiegel, Michael Braun
»Die Worte machen bei ihm eine Verwandlung durch und bekommen im Gedicht eine völlig neue Bedeutung.«
Westdeutscher Rundfunk, Nicola Reyk
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In Jürgen Nendzas Gedichten Passagen mit Mauerbiene verbindet sich der genaue Blick des Beobachters mit poetischer Imagination.
Naturkundliches und Naturlyrisches entfalten ein symbiotisches Wechselspiel, das grundiert wird von poetischen Grabungsarbeiten. Dabei werden Landschaft und Natur in Gravitationsfelder eingebunden, verschmelzen Historisches, Erinnertes und Imaginäres.
Es sind Gedichte, die ebenso eindringlich wie berührend unseren Blick erden – und ihn zugleich neu justieren in einer Symmetrie aus Wind und Schwebe.
Die Jury des Wilhelm-Lehmann-Literaturpreises sprach von einem Dreiklang aus Landschaft, Geschichte und Dingwelt, der in diesen Gedichten angeschlagen wird und sie zu einer großen Errungenschaft gegenwärtiger Lyrik macht. Was in ihnen zutage tritt, geht über das Phänomenologische hinaus: Hier zeigt sich im dichterischen Bild von Landschaft und Natur auch deren natur- wie zeitgeschichtliche Dimension.
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Für ein paar Augenblicke
(Auszug)
… Längsadern, Verstrebungen.
Auf den Flügelhäuten der Ausschnitt
eines Kirchenfensters. Ein Ungleichflügler
mit abruptem Richtungswechsel. Helligkeit
rotiert auf seinen Flügelfeldern. Du
erinnerst dich an Kindertage, als das Licht
aus großen warmen Händen kam …
… diese Bewegung ins Nachtaktive. Kniehoch
in der Melisse eine Feldmaus. Rispen
im Halbdunkel, ein großer Schatten
in einem Paar Augen. Dann ist sie verschwunden.
Der Schatten bleibt und blickt zurück …
… auf dem Fensterglas ein Zittern,
das aufleuchtet in Tropfen, die sich versammeln
zu einer gestauten Ruhe auf schmalfingrigen
Bahnen. Ein Paillettenvorhang fließt in deinen Blick.
Sein Verdunsten wird nach dir tasten, wenn du Geduld hast
und warten kannst. Du denkst noch der leise Regen
der so schöne Hände hat, während die Bedeutung
von Regen zunimmt und alles verwischt …
… vielleicht hättest du warten sollen,
bis die Kirschblüte die Dinge transparenter
macht. Aber du gehst noch einmal hinaus
für eine Runde, entdeckst im Schatten
auf den Gehwegplatten ein schwarzes
Quadrat und fängst an, Lichtbilder
darin zu suchen …
Aus Passagen mti Mauerbiene (2026)
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