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Editorial
Es gibt sie, die Lyriker, die ausschließlich Lyrik schreiben, und die Erzähler, die ausschließlich erzählen. Daneben gibt es jene Autoren, die in beiden Genres zu Hause sind – oder sich zumindest in einem heimisch fühlen und von dort Abstecher ins andere unternehmen.
Kathrin Schmidt, die vier Romane schrieb, fühlt sich in der Lyrik nach wie vor wohler, wie sie im Interview dieser Ausgabe bekennt. Auch Ursula Krechel begann als Lyrikerin, ehe sie sich dem Roman zuwandte, doch eine klassische Romancière, so die Autorin, werde sie nicht. Probleme in der Wahrnehmung sieht Nora Bossong, die nicht zuerst als Lyrikerin angesehen werden möchte. Entsprechend missverstanden fühlt sie sich, wenn die TAZ titelt: „Die Lyrikerin Nora Bossong hat einen Roman geschrieben.“
Christoph Wilhelm Aigner stellt generell das Selbstverständnis des Schriftstellers in Frage und hat das Lyrikschreiben – vorübergehend? – eingestellt. Lyrik entstehe aus einer Haltung heraus und nicht aus einem isolierten Moment der Intuition. Robert Schindel bringt auf den Punkt, was für beide Genres gleichermaßen gilt: das Arbeiten in der Sprache, nicht mit der Sprache.
Das Dossier argentinischer Lyrik wurde von Timo Berger zusammengestellt. Hier wie in der deutschsprachigen Lyrik darf man vieles entdecken. In der Prosa kommen sechs junge Autoren zu Wort, die meist schon durch Preise auf sich aufmerksam machten. Als klassischer Kontrapunkt gesellt sich Anna Maria Ortese dazu, aus dem Italienischen übertragen von C. W. Aigner.
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