Zugang durch Umkreisung
25 Autoren geben Auskunft zum Gedicht und lassen den Leser am Entstehungsprozess teilhaben. Die aktuellen Beiträge reichen vom autobiographischen Bericht über das Werkstattprotokoll bis zum lyrischen Fragment. Zahlreiche Gedichtbeispiele ergänzen diese Umkreisungen, die Jürgen Brôcan und Jan Kuhlbrodt gesammelt haben.
Das Buch erscheint parlallel im Internet auf den Seiten des
poetenladens
»Zugang durch Umkreisung. Das kann vielerlei bedeuten. Zum Einen, die Umkreisung eines fernen Beobachtungsziels zur Datensammlung und zum besseren Verständnis, so wie die ISS die Erde umkreist. Oder die Umkreisung seiner selbst, ein Sufi in der Ekstase, wiederum zum besseren Verständnis und in der Hoffnung auf Offenbarung. Rationalität und Mystik.
In unseren Umkreisungen sind Autorinnen und Autoren verschiedenen Temperaments versammelt, die das Feld der Lyrik weniger abstecken, als dass sie es als Landschaft mit weitem Horizont betrachten.«
Aus den Nachwort von Jan Kuhlbrodt
Stimmen zu Umkreisungen
Der Verlag Poetenladen ist mit seinen Anfang
2010 erschienenen
Umkreisungen. 25 Auskünfte
zum Gedicht einen anderen Weg gegangen.
Nicht nur hatten die Herausgeber den Mut,
neben bekannten Lyrikern wie Martina Hefter
und Norbert Hummelt weniger bekannte
Autoren um Beiträge zu bitten, sondern sie
haben auch Wert auf exemplarisches Vorgehen
gelegt: Die Dichter sollten das Werden
nur jeweils eines Gedichts hinsichtlich
Motivwahl
und Schreibprozess einlässlich
schildern.
Dabei kam es naturgemäß zu
sehr unterschiedlichen Darstellungen: Vom
sturzbachartigen Notat bis zur vergrübelten,
durch viele Stadien gehenden Entwicklung
ist alles vertreten, ebenso von eher abstraktpoetologischer
Herangehensweise bis zur
Rechenschaft darüber, aus welchen emotionalen
Tiefenschichten das Gedicht sich
speist. Vor allem aber rücken einige Dichter
dem Leser erstaunlich nah, ohne dass der
Zauber ihrer Verse durch das Erhellen der
Erlebnissituation leiden würde, aus der ihr
Beitrag hervorgegangen ist.
Am Erker, Andreas Heckmann, Juni 2010
In der unterschiedlichen Herangehensweise der Autoren liegt zugleich die Stärke des Bandes: So individuell wie die Autoren und ihre Gedichte sind auch die Perspektiven auf den eigenen Text. Wo für einige Autoren das Erklären und Entschlüsseln im Zentrum steht, gehen andere auf Distanz zum eigenen Text, von dem sie selbst nur so viel zu wissen scheinen, wie auch der Leser wissen oder erahnen kann.
Die Lektüre wird zum Blick über die Schulter des Schreibenden, durch den der Leser beobachten und nachvollziehen kann, wie sich aus zunächst undifferenzierten Gedanken- und Assoziationsgebäuden nach und nach einzelne Bilder, Motive und schließlich Gedichtzeilen herausschälen.
Für solche und viele andere Momente lohnt sich die Lektüre der
Umkreisungen, die bewusst keine endgültigen Aussagen zum Gedicht treffen wollen – zumal es „das Gedicht“ nicht gibt.
Zeichen & Wunder, Anna Ertel, Juli 2010
Selbstbestimmungen, Erklärungen und Verklärungen ranken die mehr oder minder im Literaturbetrieb aufgefallenen drei Autorinnen und 22 Autoren um die von ihnen ausgewählten Gedichte. Es sind Proben im doppelten Sinne – zum einen von der sprachlichen Kraft seines Verfassers/seiner Verfasserin und zum anderen vom poetischen Vermögen des Gedichts.
Illustratorin Miriam Zedelius kleidetete die
Umkreisungen subtil in ein Leichtigkeit verheißendes Gewand.
Neues Deutschland, Ralph Grüneberger, Mai 2010