Vorwort
Auf die Frage
Was ist ein Krimi? gibt es keine einhellige Antwort.
Weder von den Autoren noch von der Kritik. Indikatoren für
einen Krimi, hört man, seien Leichen, Täter, Ermittler. Stimmt
aber nicht. In der Kurzkrimisammlung
Hell's Bells – und nicht
nur dort – gibt es Geschichten, die ganz ohne Leiche, Täter und
Ermittler auskommen. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist die
Spannung, das, was Patricia Highsmith
Suspense nannte.
Das Whodunnit spielt in Krimikurzgeschichten zwangsläufig eine
untergeordnete Rolle. Ein Kurzkrimiautor hat nicht die Möglichkeit,
ein komplettes Ermittlerteam mit Kommissaren, Gerichtsmedizinern,
Kriminaltechnikern und Staatsanwälten aufzufahren,
denen ein ebenbürtiges Tableau an Verdächtigen gegenübersteht.
Die Kurzgeschichte lebt von der Reduktion, der Verdichtung;
sowohl in der Sprache als auch in der Erzähltechnik, dem
Personal, der Handlung, dem Ort und in der erzählten Zeit. Oft
sind nur zwei, drei Personen im Mittelpunkt der Handlung, oft ist
es nur ein Kammerspiel, ein Einakter.
...
Hell's Bells versammelt fünfzehn Geschichten von Autoren aus
Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie spielen in München
und in Berlin, in Ostfriesland und den Schweizer Bergen, in
London und in Kanada, auf Jersey und in der Dominikanischen
Republik. Oder an keinem weiter definierten Ort. Sie können alle
in einem einzigen Zug gelesen und erlebt werden. Verbrechen
finden in den Geschichten statt – oder auch nicht. Sie werden
aufgeklärt – oder auch nicht. Es waren Männer – oder Frauen.
Wesentlich ist das für die Geschichten nicht. Menschen sterben.
Das Leben geht weiter.
Christiane Geldmacher