{"id":215,"date":"2010-11-21T12:29:56","date_gmt":"2010-11-21T12:29:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/?p=215"},"modified":"2010-12-23T22:19:55","modified_gmt":"2010-12-23T22:19:55","slug":"kurt-drawerts-kritik-der-politischen-rhetorik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/kurt-drawerts-kritik-der-politischen-rhetorik\/","title":{"rendered":"Kurt Drawerts Kritik der politischen Rhetorik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es w\u00e4chst nicht zusammen, was nicht zusammen geh\u00f6rt.<\/strong><br \/>\nEine Kritik der politischen Rhetorik<\/p>\n<p>\u201eWas nicht zusammen geh\u00f6rt,\/ das soll sich meiden.\/ Ich hindere euch  nicht,\/ wo es euch beliebt, zu weilen. \/\/ Denn ihr seid neu,\/ und ich  bin alt geboren.\/ Macht, was ihr wollt,\/ nur la\u00dft mich ungeschoren.\u201c \u2013  Diese Zeilen stammen von Goethe, und sie beziehen sich auf das Gef\u00fchl  der Bedr\u00e4ng\u00adnis, wie er es im Umgang mit Bettina von Armin empfand.  Liebe kann l\u00e4stig sein, wer kennt das nicht. Noch l\u00e4stiger aber, als  eine Liebe nicht erwidern zu k\u00f6nnen, ist die Ver\u00adpflichtung, lieben zu  m\u00fcssen. Sie kommt einer N\u00f6tigung gleich und entspringt dem kol\u00adlektiven  Willen zur Vermehrung des Eigentums. Denn Liebe an und f\u00fcr sich, jene  Liebe, die sich frei verschenkt und unwillk\u00fcrlich ergibt, ist ein  asozialer Zustand und damit f\u00fcr jede auf Funktiona\u00adlit\u00e4t getrimmte  Ordnung subversiv. Es ist die in der Liebe selbst angelegte  Unbe\u00adrechen\u00adbarkeit, die zur Gefahr wird und entsprechend geb\u00e4ndigt  werden mu\u00df. Am Ende ist es immer die Freiheit des Subjekts, die wieder  abge\u00adschafft werden soll, nachdem sie, zun\u00e4chst moral\u00adphilo\u00adsophisch und  dann juristisch, eingef\u00fchrt wurde. Die Etablierung eines  Frei\u00adheits\u00adbewu\u00dftseins und die Zerst\u00f6rung des\u00adselben sind die zwei  gro\u00dfen und einander permanent riva\u00adlisie\u00adrenden Konstanten der  westlichen Moderne. Die Literatur vor allem der zweiten H\u00e4lfte des 19.  Jahr\u00adhunderts ist voll von Beispielen, wie die gesell\u00adschaft\u00adlich  verwaltete Liebe zur Kata\u00adstrophe des einzelnen oder einer Familie wird.  Ob Frau Jenny Treibel in Deutsch\u00adland, Madame Bovary in Frank\u00adreich  oder Anna Karenina in Ru\u00dfland: sie alle leiden an der Differenz eines  Begehrens nach sich selbst und jener zur sozia\u00adlen Norm gewordenen  Ver\u00adpflichtung, die Inner\u00adlichkeit dem Kreislauf von Produktion und  Distribution zur Verf\u00fcgung zu stellen. Und wer es nicht tut, wie Emma  Bovary etwa, geht elend zugrunde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.poetenladen.de\/kurt-drawert-essay.htm\">Zum vollst\u00e4ndigen Original-Beitrag auf poetenladen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es w\u00e4chst nicht zusammen, was nicht zusammen geh\u00f6rt. Eine Kritik der politischen Rhetorik \u201eWas nicht zusammen geh\u00f6rt,\/ das soll sich meiden.\/ Ich hindere euch nicht,\/ wo es euch beliebt, zu weilen. \/\/ Denn ihr seid neu,\/ und ich bin alt geboren.\/ Macht, was ihr wollt,\/ nur la\u00dft mich ungeschoren.\u201c \u2013 Diese Zeilen stammen von Goethe, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-diskussion"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=215"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/215\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.poetenladen-der-verlag.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}